Radwechsel selber machen – Was ist dabei zu beachten?

Reifenwechseln leicht gemacht

Zweimal im Jahr steht für Autofahrer ein Reifenwechsel an. Da die Autoreifen bei unterschiedlichsten Wetterverhältnissen ein sicheres Fahrverhalten garantieren müssen, ist um die Osterzeit ein Wechsel auf Sommerreifen und im Herbst wiederum ein Wechsel auf Winterreifen erforderlich. Neben der Unfallgefahr durch eine Bereifung, die der Jahreszeit nicht angepasst ist, können Autofahrer aufgrund einer falschen Bereifung auch mit Bußgeldern belegt werden. Eine Reifenpanne ist ein weiterer Grund für die Erfordernis eines Reifenwechsels bzw. eines Radwechsels.

Reifenwechsel oder Radwechsel?

Wenn von einem „Reifenwechsel“ gesprochen wird, ist in den meisten Fällen eigentlich ein Radwechsel gemeint. Beim Wechsel von Winterreifen auf Sommerreifen im Frühling sowie beim umgekehrten Tausch im Herbst werden nämlich nicht etwa die alten Reifen von der Felge abgezogen und neue Reifen aufgezogen. Das ist mit dem gemeint, was ein Fachmann als Reifenwechsel bezeichnet. Doch sowohl nach einer Panne wie auch beim saisonbedingten Austausch sind ein oder mehrere komplette Räder einschließlich der Felgen zu wechseln. Daher verwenden wir in diesem Artikel den korrekten Begriff „Radwechsel“. Im Folgenden wird beschrieben, worauf bei einem anstehenden Radwechsel zu achten ist.
In diesem Video wird die richtige Vorgehensweise ebenfalls anschaulich erklärt:

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Radwechsel selber machen – Welches Werkzeug wird hierfür benötigt?

Nach einer Panne reicht in der Regel das Bordwerkzeug aus, um einen Radwechsel durchzuführen, da es sich hier zumeist nur um ein einzelnes Rad handelt, das getauscht werden muss. In diesem Fall reicht beispielsweise der Fahrzeugwagenheber aus. Wo dieser angesetzt und wie er bedient werden muss, ist der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs zu entnehmen. Wer regelmäßig den Rädertausch selbst ausführen möchte, ist gut damit beraten, sich einen Rangierwagenheber zuzulegen, der komfortabler zu bedienen ist.

Des Weiteren benötigt man für den Reifenwechsel folgendes Werkzeug:

  • Radkreuz: Ein Radkreuz bzw. Kreuzschlüssel ist am besten geeignet, um Radmuttern zu lösen, vor allem, wenn diese bereits angerostet sind.
  • Unterstellböcke: Unterstellböcke dienen dazu, das Fahrzeug zu sichern und den Wagenheber zu entlasten.
  • Drehmomentschlüssel: Um sicherzustellen, dass die Radbolzen weder zu fest noch zu lose wieder angeschraubt werden, leistet ein Drehmomentschlüssel gute Dienste, da er individuell auf den erforderlichen Anzugsmoment eingestellt werden kann. Zum Drehmomentschlüssel benötigt man stets die passende Stecknuss.

Bei einem Radwechsel ist außerdem das folgende Zubehör von Nutzen:

  • Handschuhe: Arbeitshandschuhe bieten Schutz vor Verletzungen und sorgen für einen besseren Griff.
  • Markierungsstift: Mit Wachskreide o.ä. kann man die Räder mit den Bezeichnungen HR (Hinten rechts), HL (Hinten links), VR (Vorne rechts) und VL (Vorne links) beschriften, um Verwechslungen beim nächsten Wechsel auszuschließen.
  • Drahtbürste: Mit einer Bürste lassen sich Radschrauben und Muttern ebenso wie die Felgenauflage von Verschmutzungen und Rost befreien.
  • Felgenreiniger und Felgenbürste: Der Radwechsel ist eine gute Gelegenheit, um die Felgen zu reinigen.
  • Kupferpaste: Diese temperaturbeständige Paste verhindert, dass die Felge auf der Felgenauflage festrostet.

In welcher Reihenfolge geht man vor, wenn man einen Radwechsel selbst ausführen möchte?

Bevor man mit dem Radwechsel beginnt, ist das Fahrzeug sicher abzustellen. Das heißt, es sollte mit ausreichendem Platz rundum zugänglich sein. Nun legt man den 1. Gang ein und zieht die Handbremse an. Bei Fahrzeugen mit Automatik-Getriebe ist der Gangwahlhebel auf „P“ zu stellen.

  1. Radverkleidungen entfernen

Bei Felgen, die mit Radzierblenden verkleidet sind, müssen diese entfernt werden.

  1. Radverschraubungen lockern

Mit dem Radkreuz sind die Radmuttern bzw. Radmuttern über Kreuz zu lockern, solange das Fahrzeug noch auf dem Boden steht.

  1. Fahrzeug aufbocken

Mit dem Wagenheber ist das Fahrzeug so weit anzuheben, dass das auszuwechselnde Rad nicht mehr den Boden berührt. Die Bodenfreiheit sollte zwei bis drei Zentimeter betragen.

  1. Radverschraubungen entfernen

Die Verschraubungen können nun vollständig entfernt werden und sind zweckmäßigerweise in einen Behälter zu legen. Um ein vorzeitiges Abrutschen oder Verkanten des Rades zu verhindern, sollte die oberste Verschraubung zum Schluss gelöst werden.

  1. Rad abnehmen

Nun kann das Rad abgenommen werden und sollte anschließend von Schmutz befreit und (im Falle der Einlagerung) markiert werden.

  1. Radnabe reinigen

Bevor das neue Rad aufgesetzt wird, sind Schmutz und Rost mit einer Drahtbürste von der Radnabe zu entfernen. Das Einschmieren der Radzentrierung mit Kupferpaste erleichtert das Abnehmen des Rades beim nächsten Radwechsel.

  1. Bereifung und Laufrichtung kontrollieren

Die Reifengröße muss mit den Angaben in den Fahrzeugpapieren übereinstimmen. Zudem ist zu kontrollieren, ob die Räder mit einer Markierung für die Laufrichtung versehen sind.

  1. Neues Rad aufsetzen

Beim Aufsetzen der neuen Räder für die jeweilige Saison ist darauf zu achten, dass die Schraubenlöcher der Felge mit den Bohrungen in der Radaufhängung deckungsgleich sind. Dann können die Verschraubungen über Kreuz wieder montiert und mit dem Radkreuz leicht angezogen werden, wobei man sicherheitshalber mit der obersten beginnt.

  1. Fahrzeug leicht absenken

Eventuell verwendete Unterstellblöcke kann man nun entfernen. Dann ist das Fahrzeug soweit abzusenken, dass der Reifen den Boden berührt.

  1. Radmuttern festziehen

Mit dem Drehmomentschlüssel sind die Radverschraubungen nun über Kreuz festzuziehen. Das erforderliche Drehmoment zum Anziehen der Räder ist der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs (Bordbuch) zu entnehmen; für die meisten Fahrzeugmodelle beträgt es um die 120 Nm.

  1. Fahrzeug komplett absenken

Nachdem die Schrauben mit dem richtigen Drehmoment festgezogen wurden, kann das Fahrzeug vollständig heruntergelassen werden. Verstauen Sie Ihr Werkzeug, entsorgen Sie beschädigte Reifen und lagern Sie gekennzeichnete Räder für den nächsten Wechsel ein.

  1. Luftdruck prüfen

In den montierten Reifen ist der Luftdruck mit einem Reifendruckprüfer zu überprüfen. Der korrekte Reifendruck kann in der Bedienungsanleitung nachgeschlagen werden; häufig befindet sich auch ein entsprechender Aufkleber an der Innenseite des Tankdeckels, im Handschuhfach oder am Türholm.

  1. Radzierblenden wieder montieren

Sollen die neuen Räder mit Radzierblenden versehen werden, können diese jetzt angebracht werden. Dabei ist auf die korrekte Ausrichtung der Blenden und einen festen Sitz auf der felge zu achten.

  1. Radmuttern nachziehen

Die Radverschraubungen können sich mit der Zeit „setzen“. Darum sollten die Radmuttern nach einem Radwechsel nach gefahrenen 50 bis 100 Kilometern nachgezogen werden. Diesen Hinweis, der einen Haftungsausschluss im Falle der Nichtbeachtung darstellt, erhalten auch Kunden, die einen Reifenwechsel in einer Werkstatt durchführen lassen. Ein Urteil des Landgerichts München II verleiht dieser Verpflichtung des Fahrzeugbesitzers zusätzliches Gewicht.

 

Was spricht dagegen einen Radwechsel selber zu machen?

Wer handwerklich ungeschickt ist oder nicht genügend Erfahrung beim Radwechsel hat, ist gut damit beraten, eine Fachwerkstatt mit dem Rädertausch zu beauftragen. Eine Werkstatt, bei der man seine Sommer- bzw. Winterreifen einlagern lassen kann, berechnet häufig geringere Lagerkosten, wenn man dort auch den Radwechsel durchführen lässt.

Bei Fahrzeugen, die mit einem Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) ausgestattet sind, ist es im Anschluss an den Radwechsel erforderlich, die Reifendrucksensoren anzulernen. Bei einem direkten RDKS müssen die Sensoren in den Reifen überprüft werden, welche bestimmte Daten an die zentrale Steuereinheit übermitteln. Dies sollte man in jedem Fall einem Profi überlassen.

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