Schlaf ist für Hunde weit mehr als bloße Erholung.
Moderne Schlafforschung zeigt, dass sich im Schlaf zentrale Prozesse
für Lernen, Gedächtnis, emotionale Verarbeitung und Gesundheit abspielen –
ganz ähnlich wie beim Menschen. Das Schlafverhalten von Hunden ist dabei eng mit der Aktivität ihres Gehirns verknüpft.
Messungen mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) erlauben inzwischen
einen detaillierten Blick darauf, was im Hundegehirn während des Schlafs geschieht.
Das Schlafverhalten von Hunden
Forschende unterscheiden beim Hund – wie beim Menschen –
zwischen Wachzustand, Non-REM-Schlaf und REM-Schlaf.
Der Non-REM-Schlaf umfasst leichten Schlaf und Tiefschlaf,
in dem der Körper stark entspannt und sich vor allem körperlich erholt.
Im REM-Schlaf hingegen ist das Gehirn sehr aktiv.
Die Augen bewegen sich unter den Lidern,
und viele Hunde zeigen das typische „Träumen“:
zuckende Pfoten, leise Lautäußerungen oder kurze Bewegungen.
Anders als Menschen sind Hunde sogenannte polyphasische Schläfer.
Sie verteilen ihren Schlaf auf viele kürzere Schlaf- und Dösphasen
über den gesamten Tag und die Nacht.
EEG-Studien beschreiben dabei kurze Schlafzyklen von teils nur 20 bis 30 Minuten.
Wie viel Schlaf Hunde brauchen
Je nach Alter, Aktivitätsniveau und Lebensumständen
schlafen Hunde etwa 10 bis 14 Stunden innerhalb von 24 Stunden.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge,
sondern auch die Qualität des Schlafs.
Hunde, die körperlich oder geistig stark gefordert sind –
etwa Sport-, Arbeits- oder Diensthunde –
nutzen ihre Ruhezeiten verstärkt für Tief- und REM-Schlaf.
Hunde in stressigen oder lauten Umgebungen,
beispielsweise im Tierheim, schlafen dagegen oft fragmentierter und unruhiger.
Daraus ergibt sich eine klare Praxisempfehlung:
Nach besonders aktiven oder belastenden Tagen
sollten Hunde ausreichend Gelegenheit zum Ruhen und Schlafen bekommen,
um Erlebtes zu verarbeiten.

Schlafverhalten Hund: Altersbedingte Unterschiede
Das Schlafverhalten von Hunden verändert sich über die Lebensspanne.
Welpen und Junghunde schlafen am meisten,
mit zahlreichen Schlaf- und Dösphasen über 24 Stunden verteilt.
Schlaf – insbesondere Tief- und REM-Schlaf –
spielt in dieser Phase eine zentrale Rolle
für die Entwicklung des Nervensystems und für Lernprozesse.
Jüngere erwachsene Hunde zeigen meist stabile Schlafzyklen
mit klaren Non-REM- und REM-Phasen.
Im Alter nimmt die Schlafkontinuität häufig ab:
Ältere Hunde schlafen tagsüber mehr,
wachen nachts häufiger auf
und zeigen Veränderungen in der Schlafarchitektur.
Schlafspindeln: Lernen im Schlaf
Eine besondere Rolle spielen sogenannte Schlafspindeln.
Dabei handelt es sich um kurze, rhythmische Aktivitätsmuster im EEG
während des Non-REM-Schlafs.
Sie gelten als eine Art „Mini-Trainingsfenster“ des Gehirns:
Gelerntes wird sortiert, gefiltert und ins Gedächtnis überführt.
Studien zeigen, dass Hunde mit ausgeprägteren Schlafspindeln
besser in Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests abschneiden.
Bei älteren Hunden nehmen Anzahl und Stärke dieser Schlafspindeln ab.
Das könnte erklären, warum Gelerntes im Alter
weniger effizient stabilisiert wird.
Träumen Hunde?
Ob Hunde tatsächlich träumen,
lässt sich nicht direkt beantworten – wir können sie nicht fragen.
Doch die Ähnlichkeit der EEG-Muster
von Hunden und Menschen legt nahe,
dass Hunde traumähnliche Erlebnisse haben.
Studien an anderen Säugetieren stützen diese Annahme:
Bei Ratten konnte gezeigt werden,
dass im Schlaf neuronale Aktivitätsmuster erneut auftreten,
die zuvor beim Durchlaufen eines Labyrinths aktiv waren.
Schlaf scheint also eine zentrale Rolle
bei der Verarbeitung von Erlebnissen und Emotionen zu spielen –
auch beim Hund.
Schlafstörungen und ihre Folgen
Wie beim Menschen können auch Hunde
unter Schlafstörungen leiden.
Dazu zählen unter anderem Narcolepsie,
schlafbezogene Atmungsstörungen
oder die REM-Schlaf-Verhaltensstörung,
bei der Hunde ihre Träume körperlich „ausleben“.
Schlafprobleme treten zudem häufig
im Zusammenhang mit der caninen kognitiven Dysfunktion auf,
einer Erkrankung, die mit Demenz beim Menschen verglichen wird.
Betroffene Hunde zeigen weniger Gesamtschlaf,
flacheren Non-REM-Schlaf
und mehr nächtliche Unterbrechungen.
Die Folgen reichen von Unruhe und Reizbarkeit
bis hin zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen.
Warum Schlaf für Hunde so wichtig ist
Schlaf ist kein passiver Zustand.
Er ist essenziell für Regeneration,
emotionale Verarbeitung,
Lernprozesse und langfristige Gesundheit.
Aus Sicht der Forschung ist es daher sinnvoll,
Hunden nach Training, neuen Eindrücken
oder emotionalen Situationen
bewusst Ruhe und Schlaf zu ermöglichen.
Fazit
Das Schlafverhalten von Hunden ist komplex
und erstaunlich ähnlich zum menschlichen Schlaf.
EEG-Studien zeigen,
dass Schlaf eine zentrale Rolle
für Lernen, Gedächtnis und emotionale Stabilität spielt.
Wer seinem Hund ausreichend Ruhe ermöglicht,
unterstützt damit nicht nur seine Erholung,
sondern auch seine geistige Gesundheit.
Wenn Sie sich weiter mit dem Zusammenspiel von Verhalten, Gehirn und Gesundheit bei Hunden beschäftigen möchten, finden Sie hier weitere Beiträge zu Schlaf, Lernen, Ernährung und kognitiver Entwicklung von Hunden.
Quellen
- Kis et al. (2017): Comparative analysis of EEG sleep patterns in dogs and humans,
Scientific Reports.
https://www.nature.com/articles/s41598-017-08645-0
- Iotchev et al. (2019): Age-related changes in canine sleep EEG,
Frontiers in Veterinary Science.
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fvets.2019.00102/full
- Kis et al. (2014): The role of sleep in memory consolidation in dogs,
Animal Cognition.
https://link.springer.com/article/10.1007/s10071-013-0699-3
















