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ADHS bei Kindern  – Symptome und Behandlung

ADHS Symptome

Gerade im Grundschulalter kommen viele Eltern mit dem Begriff ADHS in Kontakt, doch was ist ADHS eigentlich? 

ADHS- Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, international bekannt als “Attention Deficit Hyperactivity Disorder” (kurz ADHS), manifestiert sich typischerweise im Kindesalter und kann Konsequenzen bis ins junge Erwachsenenalter nach sich ziehen. Üblicherweise sind mehr Jungen als Mädchen betroffen, wobei die Anzeichen und Auffälligkeiten in der Regel vor dem 7. Lebensjahr in Erscheinung treten.

ADHS zeichnet sich durch ausgeprägte Unaufmerksamkeit sowie Impulsivität und Hyperaktivität aus. Diese Eigenschaften können in diversen Lebensbereichen – wie der schulischen Laufbahn, dem beruflichen Umfeld oder auch im sozialen Miteinander – zu Hindernissen werden.

Gemäß den Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit sind zwischen zwei und sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen.

Diagnostik – mehr als nur Impulsivität 

Häufig erreichen Berichte über Verhaltensauffälligkeiten von Kindern Eltern, Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen. Ein gängiges Beispiel hierfür ist das Unterbrechen anderer: Das Kind lässt seine Gesprächspartnerinnen nicht ausreden und fällt ihnen ins Wort. Manchmal kann auch der Eindruck entstehen, dass das Kind im Vergleich zu seinen gleichaltrigen Freundinnen entwicklungstechnisch zurückbleibt. Doch oftmals ist dies nicht der Fall. Vielmehr sind es die Unaufmerksamkeit und Konzentrationsschwierigkeiten, die das Problem darstellen und in solchen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen.

ADHS bei Kindern

Der Diagnoseprozess 

Der Diagnoseprozess kann mehrere Schritte umfassen, darunter Beobachtungen und Fragebögen sowie möglicherweise eine gründliche Auswertung durch einen Spezialisten, wie beispielsweise einen Kinder- und Jugendpsychiater.

ADHS wird vom Arzt mit Hilfe des DSM-5 oder ICD-10 diagnostiziert. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Störung selten isoliert auftritt. Oftmals leiden betroffene Kinder auch unter Angststörungen, Depressionen oder Lernstörungen.

Für die Diagnosestellung werden sowohl Eltern als auch Lehrkräften    Fragen gestellt. Denn sollte ein Kind nur in der Schule ADHS-Symptome zeigen und in anderen Kontexten nicht, kann es nicht mit ADHS diagnostiziert werden. Die Probleme müssen in verschiedenen Lebensbereichen des Kindes auftreten. Für eine Diagnose müssen die Symptome mindestens sechs Monate lang bestehen und vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten sein. Zudem dürfen die Leitsymptome nicht durch eine andere Erkrankung verursacht sein.

Es ist ebenfalls wichtig anzumerken, dass Mädchen oftmals weniger ausgeprägte Hyperaktivitätssymptome zeigen, was dazu führen kann, dass die Erkrankung bei ihnen später oder manchmal auch gar nicht richtig diagnostiziert wird.

Symptome von ADHS- Hyperaktivität vs. Unaufmerksam

Bei ADHS kann man grundsätzlich zwei Typen unterscheiden: den unaufmerksamen und den hyperaktiven Typ. Je nach Typus sind die ADHS-Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt.

Im Folgenden listen wir die Kernsymptome auf.

Der Unaufmerksame 

Folgende Leitsymptome sind dabei anzutreffen:

  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten
  • Vermeiden von Aktivitäten, die ununterbrochene Konzentration erfordern
  • Leicht ablenkbar
  • Hört nicht zu, wenn direkt angesprochen
  • Schwirgkeiten  Aufgaben oder Anweisungen zu vervollständigen
  • Vergesslich
  • Probleme bei der Organisation von Aufgaben und Aktivitäten
  • Verhalten entspricht nicht dem Entwicklungsstand
  • Oft neigen die Kinder zu häufigen Gefühlsausbrüchen
ADHS Symptome

Der Hyperaktive:

Folgende Leitsymptome sind stärker beim hyperaktiven Typ ausgeprägt:

  • Schwierigkeiten, still zu bleiben
  • Zappeln, Tippen, wenn sie sitzen sollen
  • Aufstehen in Situationen, in denen Sitzen erwartet wird
  • Unangemessenes Rennen oder Klettern
  • Kann während Spiel- oder Freizeitaktivitäten nicht ruhig bleiben
  • Übermäßiges Reden
  • Drängt sich anderen auf
  • Beantwortet Fragen voreilig oder für andere
  • Verhalten entspricht nicht dem Entwicklungsstand.

Es ist anzumerken, dass es natürlich auch einen gemischten Typus gibt, der beide Typen kombiniert, und dass die Ausprägung der Erkrankung von Kind zu Kind unterschiedlich ist.

ADHS: Eine komplexe Entstehungsgeschichte jenseits von Erziehungsfehlern

Die Entstehung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist komplex und nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Es ist wesentlich zu verstehen, dass die Entwicklung dieser Störung nicht direkt beeinflusst werden kann. Genetische Faktoren spielen eine deutliche Rolle, das heißt, ADHS kann vererbt werden. Ebenso sind neurobiologische Faktoren, wie zum Beispiel bestimmte Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter), beteiligt.

Ein interessanter Aspekt ist, dass Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht häufiger ADHS entwickeln als andere Kinder. Hierbei ist essentiell anzumerken, dass ADHS kein Resultat von Erziehungsfehlern ist, sondern eine ernstzunehmende medizinische Diagnose.

Obwohl zahlreiche Forschungsarbeiten zu diesem Thema durchgeführt wurden, können die genauen Ursachen und Auslöser von ADHS bislang nicht exakt bestimmt werden. 

Ansätze und Strategien zur effektiven Behandlung von ADHS bei Kindern

Die Auswahl geeigneter Behandlungsoptionen richtet sich nach dem Alter des betroffenen Kindes. Für Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren steht meist eine Verhaltenstherapie im Vordergrund, da in diesem Alter in der Regel auf den Einsatz von Medikamenten verzichtet wird. Bei Kindern ab dem sechsten Lebensjahr können Medikamente, wie z.B. Ritalin, in Erwägung gezogen werden. Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass Ritalin nur eines von vielen Medikamenten ist und dass sich auch die Art der Behandlung von Patient zu Patient unterscheiden kann. Bitte verlassen Sie sich stets auf den Rat Ihres behandelnden Arztes und holen Sie bei Unsicherheiten eine zweite Meinung ein. Unabhängig vom Alter bildet jedoch die Verhaltens- und Psychotherapie die Grundlage aller Behandlungen.

Die Medikamentendosis sollte mindestens einmal im Jahr überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

In den meisten Fällen wird die Aufmerksamkeitsstörung von Fachärzten behandelt und nicht vom Hausarzt; nicht selten müssen Sie Ihr Kind in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorstellen.

Gerade bei Kindern mit ADHS ist es besonders wichtig, für ausreichend Sport und Bewegung zu sorgen und gleichzeitig darauf zu achten, dass sie genügend Schlaf erhalten. Es kann zudem hilfreich sein, gemeinsam Regeln aufzustellen, um eine Struktur im Alltag zu etablieren.

Die Wichtige Rolle der Frühintervention

Junge Heranwachsende und Jugendliche mit ADHS sind zudem stärker gefährdet, in eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit abzurutschen.

Es ist entscheidend, dass Eltern, Lehrkräfte und Erzieher sowohl das Wissen als auch die Fähigkeiten besitzen, um mit ADHS umgehen zu können. Hierbei spielt das Einhalten von Regeln eine zentrale Rolle, besonders beim Lernen, um eine unterstützende und strukturierte Umgebung zu schaffen. Eine umfassende Aufklärung und Beratung aller Betreuungspersonen ist essentiell. Wenn Ihr Kind mit ADHS diagnostiziert wird, sollten Sie also sicherstellen, dass auch alle weiteren betreuenden Personen, etwa Lehrkräfte oder Betreuer, informiert und geschult sind, um konsistente Strategien und Ansätze im Umgang mit dem Kind zu gewährleisten.

Hyperaktives Kind

Prognose: Symptomveränderungen vom Kindes- zum Erwachsenenalter

In vielen Fällen erscheint es so, als würden Kinder mit der Zeit ihre ADHS-Symptome verlieren, wobei sich diese mit dem Heranwachsen abschwächen oder verändern. Insbesondere im Übergang vom Kindes- zum Jugendalter zeigt sich eine Veränderung der Verhaltensprobleme. Jugendliche und Erwachsene erleben oft eine Metamorphose in Bezug auf die Ausprägung ihrer Symptome im Vergleich zu ihrer Kindheit. Bei einigen verringert sich beispielsweise die Hyperaktivität, während Herausforderungen bezüglich der Aufmerksamkeit weiterhin bestehen können.

Zeigen sich diese Symptome auch nach der Pubertät noch, sind sie oft mit anderen Herausforderungen und Lebensbereichen, wie beispielsweise dem Arbeitsplatz oder Beziehungen, verknüpft. Als Erwachse sind noch etwa ein Drittel bis zwei Drittel in irgendeiner Form von der Erkrankung betroffen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Behandlung und Therapie kontinuierlich angepasst werden, um den sich verändernden Bedürfnissen und Lebensumständen von Jugendlichen und Erwachsenen gerecht zu werden.

Praktische Ansätze: Zur Unterstützung von Kindern mit ADHS im Alltag

Kinder, die mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung leben, zeigen häufig auffälliges Verhalten. Sie können als impulsiv oder sogar aggressiv wahrgenommen werden. Die umfassende Aufklärung aller Betreuungspersonen über die Diagnose ist von grundlegender Bedeutung. Zudem wird eine spezielle Schulung der Eltern dringend empfohlen, um Probleme sowohl in der Schule als auch zu Hause zu verhindern. 

Es ist weit verbreitet, dass Eltern vor Herausforderungen gestellt werden, wenn ihr Kind mit ADHS diagnostiziert wird. Eine umfassende Diagnose und Behandlung sind daher entscheidend, um nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern und Lehrer zu unterstützen. Indem Eltern lernen, wie sie am besten mit den Symptomen umgehen können, helfen sie dabei, eine positivere Lern- und Wachstumsumgebung für ihr Kind zu schaffen.

Insbesondere bei sehr hyperaktiven Kindern, die leicht abgelenkt werden können, ist es nicht ungewöhnlich, dass sie auf Spielplätzen oder bei Stadtspaziergängen aus dem Blickfeld geraten. Hier kann der Einsatz von einem GPS Tracker für Kinder eine nützliche Vorsichtsmaßnahme sein, um stets den Aufenthaltsort des Nachwuchses im Blick zu behalten. Viele Kinder mit ADHS profitieren zudem erheblich von klaren Regeln und Strukturen. Diese sollten Eltern und Lehrer konsequent aufrechterhalten, um eine unterstützende und förderliche Umgebung zu gewährleisten. 

Literaturverzeichnis 

  • CDC. What is ADHD? [Internet]. Centers for Disease Control and Prevention. 2023 [cited 2023 Sept 17]. Available from: https://www.cdc.gov/ncbddd/adhd/facts.html
  • Bundesgesundheitsministerium.de. [cited 2023 Sept 10]. Available from: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
  • Drechsler R, Brem S, Brandeis D, Grünblatt E, Berger G, Walitza S. ADHD: Current concepts and treatments in children and adolescents. Neuropediatrics [Internet]. 2020;51(05):315–35. Available from: http://dx.doi.org/10.1055/s-0040-1701658
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) » Nichtmedikamentöse Maßnahmen » [Internet]. Neurologen-und-psychiater-im-netz.org. [cited 2023 Sept 9]. Available from: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitaets-stoerung-adhs/nichtmedikamentoese-massnahmen/

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